Schlechtes Gewissen endlich auflösen

Das schlechte Gewissen ist bei Müttern quasi omnipräsent. Fragt man eine Mutter, warum sie sich, trotz vorhandener Möglichkeiten, keine Unterstützung holt, antworten viele mit „Dann habe ich ein schlechtes Gewissen”. Dieses Gewissen hat also einen enormen Einfluss darauf, wie wir unsere Mutterschaft gestalten. Aber weißt du eigentlich, wie es entsteht? Was es will? Und wie du es loswerden kannst? Falls du diese Fragen mit Nein beantworten musst, dann lies unbedingt diesen Artikel weiter und erfahre, welchen Einfluss deine Werte auf dein schlechtes Gewissen haben.

Das schlechte Gewissen der Mutter

Wahnsinnig viele Mütter leiden unter einem schlechten Gewissen und eine der meistgestellten Fragen an mich ist nicht ohne Grund, wie man dieses schlechte Gewissen denn abschalten könne. Bevor wir jedoch das schlechte Gewissen leiser drehen oder ganz stumm schalten können, müssen wir erst einmal verstehen, warum es da ist und was es uns eigentlich mitteilen möchte.

Schuldgefühle sind ein Alarmsignal

Das schlechte Gewissen ist im Grunde ein schlichtes Alarmsignal unseres inneren Wertesystems. Es schlägt immer dann Alarm, wenn wir etwas tun, das wir eigentlich für falsch halten oder anders ausgedrückt, wenn wir gegen unsere eigenen Werte handeln. Die Schuldgefühle entstehen also aus einem nicht wertekonformen Verhalten unsererseits.

Grundsätzlich ist ein schlechtes Gewissen für unser Überleben als soziale Wesen daher von großer Bedeutung. Ohne unsere persönlichen, individuellen Schuldgefühle würden wir schnell in einer Gesellschaft des Chaos versinken. Denn würden wir unser Verhalten niemals reflektieren und es gegebenenfalls auch als falsch einstufen, würden wir die Grenzen anderer Menschen permanent überschreiten und die Verletzungen anderer in Kauf nehmen.

Schuldgefühle sind für uns Menschen demnach prinzipiell wichtig.

Mütter haben mehr Schuldgefühle

Jedoch können sie auch zu einem großen Problem für einzelne Personen oder ganze Personengruppen, wie eben Mütter, werden. Dieses Problem mit dem schlechten Gewissen entsteht immer dann, wenn es übermäßig aktiv ist und dir permanent signalisiert, dass du dich „falsch“ verhältst. Mütter, deren Rollenbild in unserer Gesellschaft eine ständige Selbstaufopferung und Zerrissenheit als Optimum suggeriert, handeln schnell gegen ihre inneren Werte, wenn sie sich um ihr eigenes Wohlergehen kümmern. Um das zu verstehen, müssen wir jedoch nochmal einen genaueren Blick auf Werte an sich werfen.

Was sind Werte?

Unter Werten versteht man Eigenschaften oder Wesensmerkmale von Personen, die wir als erstrebenswert und moralisch vertretbar einstufen. Jeder von uns, ob Mutter oder nicht, hat tiefe innere Überzeugungen, die unser Handeln stark beeinflussen. Aus Werten werden Glaubenssätze, Meinungen und vor allem Verhalten. Welche Werte wir als moralisch vertretbar einstufen ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren.

  • Erziehung
  • Persönliche Erfahrungen
  • Soziales Umfeld
  • Gesellschaftliche Strukturen
  • Politisches System

Wir sind also nicht völlig frei in unseren inneren Entscheidungen, welche Werte wir ethisch als gut empfinden und welche eben nicht. Oft liegen unsere Werte stattdessen tief verborgen in uns und wir verschwenden wenige Gedanken daran, an welchen wir festhalten und unser Verhalten ausrichten.

Die Werte einer guten Mutter

Gesamtgesellschaftlich betrachtet hängen die Werte von Müttern eng mit unserem Rollenbild von einer guten Mutter zusammen (mehr dazu kannst du hier lesen). Eine gute Mutter zeichnet sich in unserer Gesellschaft durch verschiedene Merkmale aus:

  • Sie ist sanft und fürsorglich.
  • Eine Mutter kümmert sich bereitwillig und aufopferungsvoll um ihre Familie.
  • Sie arbeitet ein wenig, um ihren Anteil zum Familieneinkommen beizutragen, ist dabei aber genügsam und hat keine großen beruflichen Ziele.
  • Sie ist eher passiv und richtet ihr eigenes Wohlergehen dem ihrer Familie unter.
  • Gleichzeitig ist sie eine stille Macherin, die den Haushalt, Familienbedürfnisse, Partnerschaft und Arbeit spielend unter einen Hut kriegt.

Du ahnst vielleicht schon, dass diese Merkmale eines Mutterideals auch zu gewissen Werten in uns allen führen. Durch unsere eigene Erziehung, die Spiegelung dieses Ideals durch gesellschaftliche, soziale und politische Strukturen, können wir uns kaum dagegen wehren, dass diese Werte in uns existieren.

Werte einer guten Mutter sind zum Beispiel:

  • Fürsorglichkeit
  • Liebe
  • Harmonie
  • Sanftmut
  • Hingabe
  • Altruismus
  • Geduld
  • Freundlichkeit

Ich könnte diese Liste noch eine ganze Weile fortführen, aber ich denke die Botschaft ist angekommen. Grundsätzlich ist an diesen Werten überhaupt nichts Schlimmes. Das Problem entsteht nur dann, wenn du von diesen Werten unterbewusst in deinem Verhalten gelenkt wirst und so immer wieder in einen inneren Konflikt gerätst.

Übung: Schlechtes Gewissen auflösen

Damit du nicht ständig von deinem schlechten Gewissen ausgebremst oder gar gequält wirst, ist es wichtig deine eigenen Werte kennenzulernen. Umso mehr Bewusstsein wir für unsere inneren Prozesse entwickeln, desto leichter fällt es uns nämlich auch daraus resultierende Probleme im Alltag zu lösen. Ich habe daher für dich eine kleine Übung vorbereitet, mit der du deine drei wichtigsten Werte (Core Values) entdecken kannst. Anschließend zeige ich dir noch effektive Fragen, die dir dabei helfen dein schlechtes Gewissen durch wertekonformes Verhalten aufzulösen.

Deine drei Core Values

Nachstehend stelle ich dir eine Liste aller aktuell definierten Werte zur Verfügung. Diese Liste ist permanent im Wandel, aber für diese Übung vollkommen ausreichend.

Wie du damit arbeitest:

  1. Lies dir alle Werte durch und streiche im ersten Durchgang alle weg, bei denen du Ablehnung spürst.
  2. Nun solltest du deutlich weniger Werte auf der Liste haben. Starte einen erneuten Durchgang und lasse nur noch die Werte stehen, bei denen du innerlich eine große, tiefe Zustimmung spürst. Berücksichtige bei diesem Durchgang bitte, dass du deine Entscheidung nicht auf Grundlage sozialer Erwünschtheit triffst. Der Gedanke „Ich sollte diesen Wert eigentlich wichtig finden“ ist ein Zeichen dafür, dass es nicht „dein“ Wert ist, sondern einer, den du für gesellschaftlich akzeptiert hältst.
  3. Du wiederholst diesen Vorgang nun so lange, bis du nur noch drei Werte übrighast. Am Ende der Übung sollten drei Werte stehen bleiben, bei denen du innerlich spürst, dass sie perfekt zu dir, deinen Überzeugungen und Ansichten passen.

Werte Liste

  • Abenteuer
  • Achtsamkeit
  • Akzeptanz
  • Authentizität
  • Balance
  • Beharrlichkeit
  • Beliebtheit
  • Bescheidenheit
  • Dankbarkeit
  • Disziplin
  • Effizienz
  • Ehrlichkeit
  • Empathie
  • Entwicklung
  • Erfolg
  • Fantasie
  • Flexibilität
  • Freiheit
  • Friedfertigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Geduld
  • Gelassenheit
  • Gerechtigkeit
  • Gesundheit
  • Glaubwürdigkeit
  • Großzügigkeit
  • Harmonie
  • Herzlichkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Humor
  • Intuition
  • Kompromissbereitschaft
  • Konstruktivität
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Leichtigkeit
  • Leidenschaft
  • Lernbereitschaft
  • Liebe
  • Loyalität
  • Mitgefühl
  • Mut
  • Nachhaltigkeit
  • Nähe
  • Neugierde
  • Offenheit
  • Optimismus
  • Ordnung
  • Perfektion
  • Rationalität
  • Realismus
  • Respekt
  • Sanftmut
  • Selbstbestimmung
  • Sensibilität
  • Sicherheit
  • Solidarität
  • Spaß
  • Spiritualität
  • Toleranz
  • Tradition
  • Transparenz
  • Treue
  • Unabhängigkeit
  • Verantwortung
  • Vertrauen
  • Weisheit
  • Wissen
  • Wohlstand
  • Wohlwollen
  • Zugehörigkeit
  • Zuverlässigkeit

Fragetechniken bei schlechtem Gewissen

Nachdem du nun deine drei Core Values kennst, kannst du dir in der nächsten Situation, bei der du ein schlechtes Gewissen hast, mit folgenden Fragen aus diesem Teufelskreis helfen.

Fragetechnik bei schlechtem Gewissen am Beispiel des Wertes Gerechtigkeit:

  1. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Gegen welcher meiner drei Core Values handele ich gerade?
  2. Ich handele scheinbar gegen meinen Wert Gerechtigkeit. Stimmt der Eindruck meines schlechten Gewissens? Ist das, was ich tue wirklich ungerecht? Oder spielt hier eher gesellschaftliche Erwünschtheit und fremde Werte, nicht meine Werte, eine Rolle?
  3. Wie empfindet eine andere Person, die ggf. involviert ist, diese Situation? Stuft sie sich selbst auch als ungerecht behandelt ein?
  4. Was könntest du tun, um wieder mit deinem Wert „Gerechtigkeit“ in Einklang zu agieren?

Persönliche Weiterentwicklung gegen Rollenklischees

Ich hoffe, dass dir diese Übung einige Erkenntnisse über dich selbst und deine Core Values, sowie dein schlechtes Gewissen gebracht hat. Als Flamingomütter sind wir auf einer permanenten Reise der persönlichen Weiterentwicklung. Das bedeutet auch, dass sich deine Werte mit der Zeit weiterentwickeln können. Ich empfehle dir also von Herzen dich wieder und tiefergehend mit dir selbst auseinanderzusetzen. Falls du diesen Weg nicht alleine gehen möchtest, dann werde unbedingt Teil meines Schwarms aus Flamingomüttern. Voraussichtlich Ende Juni, Anfang Juli öffne ich wieder meinen Kurs „Flugschule“ für neue Teilnehmerinnen, die ihre Flügel endlich ausbreiten wollen.

Guten Flug, liebe Flamingomutter!